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Die
fast 900 Jahre alte Ortschaft Eygelshoven zählte Anfang
des 20. Jahrhunderts ca. 550 Einwohner. Es war ein
agrarisch geprägtes Dorf. Wer in der Landwirtschaft
keine Arbeit finden konnte, musste woanders eine Arbeit
suchen. Zum Beispiel in der Metall- und Textilindustrie
in den deutschen Städten Herzogenrath und Aachen.
Tägliche Fußwege von drei und mehr Stunden waren keine
Ausnahme. Was werden wohl die Eygelshovener
erwartungsvoll zugeschaut haben, als Arbeiter im
Juli1900 begannen, den Schacht I der Grube Laura
abzuteufen. Vielleicht Arbeit direkt vor der Haustür?
Ab
1830 drang die industrielle Revolution von England nach
Belgien, Frankreich und Preußen. Die Schwerindustrie in
Westeuropa war im Aufstreben und hatte großen Bedarf an
Brennstoff für die Dampfmaschinen. Ermutigt durch die
Funde von Steinkohle in Deutschland begannen auch in
Niederländisch Limburg die Goldsucher; mit dem
"Schwarzen Gold" konnte immens viel Geld
verdient werden.
Bis
zu diesem Zeitpunkt war die Domaniale Mijn in Kerkade
die einzige Steinkohlengrube in den Niederlanden. Die
Konzession dieser Grube lag an der Westseite des
Wurmtals unmittelbar an der niederländisch-deutschen
Grenze. Um 1850 hatte man nördlich davon - in der
Gegend des Dorfes Eygelshoven – Probebohrungen gemacht
und dabei Kohlevorkommen gefunden. Die Ausbeute war zu
diesem Zeitpunkt noch nicht möglich: es mangelte noch
an den technischen Kenntnissen, tiefe Schächte
abzuteufen, und die Gegend hatte noch keine nennenswerte
Verkehrsinfrastruktur.
Dies
veränderte sich im Jahr 1896 durch die Eröffnung der
Eisenbahnstrecke Sittard-Schaesberg-Herzogenrath.
Initiator war der Ingenieur Henri Sarolea aus Heerlen,
der nach seiner Rückkehr aus Java erkannte, dass für
die Entwicklung der Monatnindustrie bessere
Verkehrsanbindungen notwendig waren. Sarolea gründete
die Nederlandsche Zuider Spoorweg Maatschappij (Südniederländische
Eisenbahngesellschaft), von der er sich selbst als
Direktor einsetzte. Die neue Eisenbahnlinie mit Heerlen
als wichtigstem Knotenpunkt sollte die Lebensader für
den Limburger Bergbau werden.
Anfang
1873 trafen der Müller Anton Wackers aus Herzogenrath
und sein Schwager Gustaf Schümmer im Bärenbusch in der
Nähe von Kerkrade in einer Tiefe von 154 Metern auf ein
Kohlenflöz. Drei Jahre später erhielten sie die
Konzession für die Ausbeute des Feldes, das nach dem
Vornamen von Wackers’ Ehefrau "Laura"
genannt wurde.
Einige
Jahre zuvor war bereits auf einer Parzelle im Kommerveld
bei Eygelshoven eine erfolgreiche Bohrung durchgeführt
worden. Diese Konzession mit dem Namen "Vereeniging"
wurden der deutschen "Vereinigungsgesellschaft für
Steinkohlenbergbau im Wurmrevier" zugewiesen. 1887
übernahmen diese Gesellschaft und der Eschweiler
Bergwerk Verein (EBV) auch die Konzession der
"Laura" von Wackers und Schümmer.
Am
26. Juni 1899 wurde in Brüssel die "Société des
Charbonnages Réunis Laura & Vereeniging S.A."
gegründet. Gründer dieser Gesellschaft war General
Albert Thijs, Präsident und Stifter der Banque
d’Outremer in Brüssel.
Die
Gesellschaft war in Brüssel angesiedelt und hatte den
Verwaltungs- und Produnktionssitz in Eygelshoven. Der
Eschweiler Bergwerk Verein und die
Vereinigungsgesellschaft für Steinkohlenbergbau im
Wurmrevier brachten die Konzession "Vereeniging"
und "Laura" mit in diese Gesellschaft ein.
Andere wichtige Anteilseigner waren die Banque
d’Outremer, Banque Sal. Oppenheim Jr. & Cie, und
die Amsterdamer Bank.
1907
fusionierten der Eschweiler Bergwerk Verein und die
Vereinigungsgesellschaft für Steinkohlenbergbau im
Wurmrevier, wodurch die größte deutsche
Bergwerksgesellschaft entstand. Seit 1928 war die Société
Générale de Belgique, die in diesem Jahr eine Fusion
mit der Banque d’Outremer einging, der größte
Anteilseigner.
Nachdem
das Gelände am Menweg angekauft worden war, konnten die
Techniker im August 1900 mit dem Abteufen des Schachtes
beginnen. Die Arbeiten standen unter der Leitung des
ersten Direktors des Unternehmens, dem bergbaukundigen
Ingenieur Raymond Pierre aus Maastricht.
Das
Abteufen wurde mittels der so genannten Gefriermethode
durchgeführt. Auf dem Boden des Vorschachtes wurden
ringförmig 24 Bohrlöcher angebracht, in die
Gefrierleitungen eingelassen wurden. Mittels einer
Eismaschine wurde eine Flüssigkeit mit einer Temperatur
von –20°C durch diese Leitungen geführt, wodurch
eine köcherförmige Eismauer entstand. Einige Monate später
konnten die Bergleute mit dem Abteufen beginnen.
Gleichzeitig mit dem Abteufen wurde die Schachtwand mit
gusseisernen Ringen ausgebaut. Nach drei Monaten
erreichte man in ca. 100 Metern Tiefe das Karbongestein.
Im
August 1901 kam es zum ersten großen Wassereinbruch,
wodurch das Abteufen um fünf Monate verzögert wurde.
Erst Ende 1901 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen
werden, aber die Arbeiter kamen nicht voran, da der
Schacht danach noch mehrere Male absoff; einmal stieg
das Wasser bis auf 20 Meter unterhalb der Rasensohle.
Erst Ende 1904 erreichte der Schacht I die geplante
Teufe von 223 Metern.
Zwischenzeitlich
wurde 1902 begonnen im Abstand von 70 Metern östlich
von Schacht I Schacht II abzuteufen. Die Arbeiten
verliefen anfangs zügig, später folgte aber auch hier
der nicht enden wollende Kampf gegen das Grubenwasser,
wodurch die Arbeiten deutlich verzögert wurden.
Am
3. Oktober 1905 wurden durch plötzlich einbrechendes
Wasser drei Arbeiter getötet und drei weitere schwer
verletzt. Acht Monate später – gerade als die
Kohleproduktion wieder in Gang kam – ereignete sich
ein erneuter Wassereinbruch, diesmal in der Pumpenkammer
auf der 200-Meter-Sohle. Glücklicherweise war der
Schaden gering.
Im
September 1908 ereignete sich im Kesselhaus eine schwere
Verpuffung, sieben Personen wurden getötet und fünf
schwer verwundet. Das Gebäude wurde dabei fast vollständig
verwüstet, der Strom fiel aus und nur unter größten Mühen
konnte verhindert werden, dass die Grube erneut absoff.
Rückblickend
kann man nur Respekt vor der Leistung der Pioniere
haben, die mit einfachen Mitteln und der Gefahr für
Leib und Leben diese schweren Probleme meisterten.
Nach
den vielen Widrigkeiten beim Abteufen der Schächte nahm
die Grube Laura 1907 die Förderung auf der
183-Meter-Sohle auf. Durch einen Wassereinbruch im Jahr
1906 mussten die Pläne für eine 220-Meter-Sohle
aufgegeben werden. Um auch die höher gelegenen
Kohlelagerstätten erschließen zu können, wurde 1917
die 120-Meter-Sohle angelegt; im selben Zeitabschnitt
begann der Ausbau der 153-Meter-Sohle, auf der 1920 die
ersten Baue gesetzt wurden. Im Zeitraum zwischen 1927
und 1932 wurden die beiden Lauraschächte weiter
abgeteuft und neue Sohlen auf 274 und 378 Meter
angelegt.
Seit
Mitte April 1907 war die Grube Laura vollauf in Betrieb.
Dank der Einführung von effektiven Abbaumethoden und
modernen Produktionsverfahren stieg die Produktion von
1907 bis 1924 stetig von 79.000 Tonnen auf annähernd
600.000 Tonnen Kohle pro Jahr. Das alte Handwerk, wie
das Hauen der Kohle von Hand und der Transport der
gewonnenen Kohle durch Schlepper, gehörte der
Vergangenheit an. Die Kohlenhacke – das älteste
Abbaugerät – wurde abgelöst durch Pressluft
betriebene Abbauhämmer und Vortriebsmaschinen. Die
gewonnene Kohle wurde auf Schüttelrutschen zum
Verladenplatz transportiert, wo sie auf Kohlehunte
verladen wurde.
Ursprünglich
transportierten untertage Pferde – zumeist kleine
robuste Ponys, die ihr ganzes Leben in der Grube
verbrachten – die Kohle. Seit 1906 wurden diese nach
und nach durch Benzol- und Elektrolokomotiven abgelöst.
Druckluftlokomotiven waren auf Laura nicht im Einsatz.
Es sollte übrigens noch bis 1936 dauern, bis das letzte
Grubenpferd in Pension geschickt wurde.
Selbständige
Händler kauften die Steinkohle über den so genannten
Landverkauf. Mit Pferd und Wagen, Hundekarren und sogar
mit Schubkarren holten sie die Kohle am Tor ab. Später
begannen sich mehr und mehr große Industriebetrieb und
Einrichtungen für die Laura-Kohle zu interessieren. Zu
den ersten wichtigen Großabnehmern gehörten der
Eschweiler Bergwerk Verein, der Steenkolen Groothandel
Brabant und die Maatschappij tot Exploitatie van
Staatsspoorwegen in Utrecht.
Eine
Untersuchung ergab, dass sich die Feinkohle der Laura
hervorragend für die Brikettherstellung eignete. Somit
wurde die Errichtung einer Brikettfabrik beschlossen,
die 1917 ihre Produktion aufnahm. Ursprünglich sollten
ausschließlich Industriebriketts von 3,5 und 11 kg
Gewicht hergestellt werden, später ging man dazu über
auch Eierkohlen für den Hausbrand zu produzieren.
1903
stellten Laura & Vereeniging einen Antrag auf
Erweiterung des Abbaufeldes Vereinigung um 410 ha. Der
Hintergrund dieses neuen Feldes, das
"Eintracht" hieß, war, eine neue
Bergwerksanlage östlich des Feldbisses zu errichten.
Gegen dieses Vorhaben erhob sich von verschiedenen
Stellen Widerstand und es entstand eine Art
Pattsituation, als die Nederlandsche Maatschappij tot
het verrichten van mijnbouwkundige werken in Haarlem
1906 einen Gegenantrag stellte.
Erst
1922 kam man zu einer Übereinkunft: Laura &
Vereeniging sollten 299 ha zu einem Preis von annähernd
400.000 € bekommen. Die Grenze der beiden Konzessionen
verlief fortan von Nord nach Süd ungefähr parallel der
Feldbiss-Störung.
Der
Aufbau der Grube "Julia", die benannt wurde
nach der Ehefrau des Gründers Thijs, begann im Jahr
1922. In einem Bruch an der Ostseite der Gemeinde
Eygelshoven erhoben sich zwei hölzerne Schachtgerüste.
Das Abteufen durch das 217 Meter starke
Deckgebirge wurde – ebenso wie bei der Laura –
mittels der Gefriermethode durchgeführt. Sohlen wurden
auf 303 und 365 Metern angelegt.
Sowohl
Über- wie Untertage gehörte die Grube Julia zu den
modernsten Bergwerken Europas. Neu war beispielsweise
der automatisierte Umlauf mit Kettenantrieb. Für den
untertägigen Transport wurden Elektrolokomotiven mit
Oberleitungen eingesetzt. Neu und erstmalig in den
Niederlanden eingesetzt waren die Fördermaschinen mit
einer doppelkonischen Trommel. Der Transport in den
untertägigen Grubenbauen erfolgte mittels Schüttelrutschen
und später auch mit Transportbändern.
1926
holte man die erste Kohle nach Übertage.
Infolge
der Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten nahm
Anfang der 30er Jahre die Nachfrage nach Industriekohle
stark ab. Durch die Abwertung des englischen Pfunds und
Einfuhrbeschränkungen großer Abnehmer befand sich die
Grube in einer sehr ungünstigen Konkurrenzsituation.
Dies galt für die gesamte niederländische
Bergbauindustrie.
Unter
Druck der Bergwerksdirektionen entschloss sich die
niederländische Regierung zu einer "Politik der
offenen Tür". Indem man einen Kompromiss mit den
Importeuren deutscher Kohle einging, hoffte man den Kopf
über Wasser zu halten. Aber auch diese Bemühungen
waren vergebens, der Absatz stagnierte und die unverkäufliche
Kohle häufte sich zwischenzeitlich an. Die Produktion
ging stark zurück, so dass die Direktion zu Gegenmaßnahmen
greifen musste. Arbeitszeitverkürzungen und
Entlassungen waren die Folge.
Die
allgemeine Misere und die zunehmende Arbeitslosigkeit
zwangen die Regierung letztendlich ihre Politik
anzupassen. 1934 wurde ein System zur Kontingentierung
ausländischer Kohle eingeführt, wonach sich der
niederländische Markt etwas erholte. Es sollte noch bis
1936 dauern, bis die große Kohlenkrise überwunden war.
Durch die zunehmende Unruhe und Kriegsbedrohung stieg ab
1939 die Binnennachfrage nach Kohle enorm an, wodurch
ernsthafte Engpässe entstanden.
Der
Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Besetzung der
Niederlande durch die Deutschen brachten dem freien
Kohlenverkauf der Gruben ein Ende; die gesamte
Produktion wurde verstaatlicht und der Vertrieb gelang
in die Hände des Reichskohlebüros (Rijkskolenbureau).
Die Besatzer setzten alles daran, die Produktion zu
steigern. Die Arbeitszeit wurde von 8 auf 8 ¾ Stunden
erhöht, die übertägige Arbeitswoche hatte nun 54
Stunden, und die Bergleute wurden verpflichtet auch
sonntags zu arbeiten.
Die
Belegschaft stieg Anfang der 40er Jahre von 2.900
auf 3.600 Mann an: zahlreiche Landsleute suchten
Zuflucht in der Arbeit auf der Grube, um sich einem möglichen
Arbeitseinsatz in Deutschland zu entziehen. Trotz der Maßnahmen
der Besatzer und der starken Belegschaftssteigerung nahm
die Produktion in den Kriegsjahren ab; Hauptgründe
waren die allgemeine unbehagliche Stimmung und
viele Sabotageversuche. Deutlich sichtbare Sabotage war
übrigens eine gefährliche Angelegenheit in Anbetracht
der vielen Deutschen, die sich unter der Belegschaft
- vor allen in höheren Funktionen – befanden.
Im
September 1944 wurde Südlimburg durch die 30th
"Old Hickory" Infantry Division befreit. Nach
dem Abzug der Besatzer blieben die Grubenbetriebe
vollkommen ramponiert zurück. Um das Chaos auf dem
Markt zu ordnen, wurden alle Bergwerke – auch die
Privatgruben – unter Aufsicht des Staates gestellt. Es
sollte noch bis Ende 1948 dauern, bis der binnenländische
Kohlenmarkt wieder hergestellt war und die staatliche
Aufsicht über Laura & Vereeniging aufgegeben wurde.
Nach
dem Krieg gab es in den Niederlanden eine große
Nachfrage nach Steinkohle, die Löhne waren hoch, und es
ging den Bergleuten entsprechend gut. Limburg war im
Vergleich mit dem restlichen Land ein wohlhabender
Landstrich. Die Limburger Kumpel arbeiteten zwei Wochen
am Stück – die Sonntage inbegriffen –, und endlich
bekamen sie auch im übrigen Land die Anerkennung, die
sie verdienten. Der Beruf war ungesund und gefährlich,
aber die Löhne waren hoch. Die Gruben bildeten den
Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in Südlimburg;
nahezu jeder in der Region hatte direkt oder indirekt
etwas mit dem Bergbau zu tun.
Weil
viele Arbeiter in Deutschland arbeiten gingen, wo die Löhne
noch höher waren, kämpfte die Grube mit einem
chronischen Mangel an Arbeitskräften. Großangelegte
Werbeaktionen im Ausland zogen hunderte Italiener und
einige Ungarn nach Eygelshoven. Anfang der 60er Jahre
hatte der Arbeitskräftemangel derartige Formen
angenommen, dass auch Spanier, Jugoslawen, und
Marokkaner angeworben werden mussten.
Um
die Kohleknappheit zu überwinden, wurde große
Aufmerksamkeit auf die Mechanisierung der Kohlegewinnung
gelegt. Auch der Bau neuer Wohnungen für die Arbeiter
hatte hohe Priorität. 1952 kündigte die niederländische
Regierung Verordnungen zur Erhöhung der Kohleproduktion
an. Es wurde eine Stiftung eingerichtet, mit deren Hilfe
der Bau von Wohnungen finanziert werden konnte.
1953
trat der Vertrag zur Einrichtung der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) in Kraft, der
Vorläufer der europäischen Union. Dieser Vertrag
beabsichtigte Angebot und Nachfrage auf dem Kohlemarkt
zu regulieren und den freien Markt zu fördern. Aufgrund
des Erfolgs der EGKS bekam die europäische
Steinkohleindustrie mehr und mehr die Konkurrenz der
amerikanischen Steinkohle zu spüren, die viel
preiswerter im Übertageabbau gewonnen werden konnte.
Durch
die Entdeckung von Erdgas in den Nord-Niederlanden und
die stark abgenommene Nachfrage im Ausland beabsichtigte
die niederländische Regierung in der zweiten Hälfte
der 60er Jahre den Bergbau in den Niederlanden zu
beenden. Am 17. Dezember 1965 kündigte Minister Joop
den Uyl im Minenschließungsbeschluss die allmähliche
Schließung der Limburger Steinkohlenbergwerke an. Damit
fiel endgültig der Vorhang für die Bergbauindustrie in
den Niederlanden.
1970
wurde die Grube Laura geschlossen, 1974 folgte die Grube
Julia. Abbruchunternehmer machten alle übertägigen Gebäude
dem Erdboden gleich, und die vier Schächte wurden mit
meterdicken Betonpfropfen verschlossen. Die elektrische
Hochdruckzentrale der Julia, die erst 1965 in Dienst
gestellt worden war, blieb noch bis 1987 in Betrieb.
Die
Schließung der Gruben Laura und Julia kennzeichnen das
Ende einer denkwürdigen Epoche der Geschichte
Eygelshovens. Eine Periode mit Arbeit und Wohlstand für
Eygelshoven und Umgebung. Zwei Bergbaubetriebe, die im
Eigentum ein und desselben belgischen Besitzers aber in
ihrem Charakter durchaus unterschiedlich waren. Die
Grube Laura war ein alteingesessener Betrieb, wo von
alters her überwiegend Bergleute aus Eygelshoven
arbeiteten. Die Grube Julia, die seinerzeit als die
modernste Anlage ihrer Art galt, war dagegen immer ein
Schmelztiegel von Nationalitäten, wo hauptsächlich
Deutsche und Osteuropäer arbeiteten.
In
Eygelshoven sind nur noch wenige Spuren des Bergbaus zu
sehen: ein einzelnes Monument oder Bauwerk sowie die
Bergarbeiterkolonie Hopel sind die einzig sichtbaren
Erinnerungen an den Steinkohleabbau in dieser Gegend.
Auf dem ehemaligen Areal der Grube Julia befindet sich
heute ein Industriegebiet, und auf der Betriebsfläche
der Grube Laura entstand eine Neubausiedlung.
Der
Name Laura findet sich noch in einigen
Tochterunternehmen, die Anfang der 60er Jahre als Folge
einer Übereinkunft zwischen Laura & Vereeniging und
dem niederländischen Staat getroffen wurde:
Verkoopkantoor Laura & Vereeniging in Den Haag,
Ingenieurbüro Jongen-Laura, Laura Metaal, Pionier Laura
en Laura Motoren. Andere Betrieb, in denen Laura Anteile
hatte, waren die Steenfabriek Nivelsteen, Pacton
Containers und die Fahrradfabrik Batavus. Alle diese
Betriebe sind zwischen 1974 und 2000 in andere Hände übergegangen
oder inzwischen geschlossen worden.
Paul
Geilenkirchen
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