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Um 1900 wurden nordöstlich der Grube
Maria-Hauptschacht bei Untersuchungsbohrungen durch
den Eschweiler Bergwerks - Verein weitere Fettkohlenfelder
entdeckt. 1937 beschloss das Unternehmen zur Ausbeutung
der Vorräte in der Nähe des Ortes Siersdorf
bei Aldenhoven eine neue Schachtanlage zu bauen.1938
erfolgte zum hundertjährigen Geburtstag der EBV
-Aktiengesellschaft der erste Spatenstich zum Bau der
Grube, die den Namen des damaligen Präsidenten
der ARBED Emil Mayrisch tragen sollte.
In
den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in der
Regel Gerüst -Abteuftürme aus Holz errichtet. So auch
hier , auf einem Acker des Jülicher Landes nördlich
der Gemeinde Siersdorf, wo 1938 mit dem Bau einer Großschachtanlage
durch den Eschweiler Bergwerks-Verein das seinerzeit größte
und leistungsfähigste Steinkohlenbergwerk Deutschlands
entstehen sollte.
Das
Abteufgerüst steht in dem mit Holz verkleideten Turm,
nicht sichtbar, genau über dem Schacht. Nur die
Schrägstützen sind seitlich rechts erkennbar, wo im
angrenzenden Flachdachbau ein
Doppeltrommel-Abteufhaspel mit unter- bzw. überschlägig
aufgelegten Seilen untergebracht ist.
Der
Schachtturm dient dem Schutz des Abteufgerüstes, den übrigen
Aggregaten, die zum Abteufen erforderlich sind, und natürlich
dem Schutz der Abteufbelegschaft - Schachthauer, Anschläger
und Aufsichtspersonen - gegen Witterungseinflüsse. Zu
den wesentlichen Abteufeinrichtungen gehört die
Schachtabdeckung, bestehend aus einer den Schacht überspannenden,
mit Bohlen belegten Trägerkonstruktion, in die eine
doppelflügelige, mit Schienen beschlagene
Schachtklappe integriert ist. Durch diese können, geöffnet,
die Abteufkübel hindurchfahren und geschlossen,
gleisgebundene Materialwagen aufgeschoben werden. So
kann zum Beispiel sperriges Material wie Rohre, Lutten ,
Ausbauteile, direkt an den am Abteufseil befindlichen
Karabinerhaken angeschlagen, angehoben und bei geöffneter
Klappe in den Schacht eingehängt werden. Die
Schachtklappe wird mechanisch von Hand oder auch
automatisch nach Durchfahren des Kübels mit Hilfe von
Druckluft über Zylinder geöffnet und geschlossen.
Zwischen
Schachtklappe und den am höchsten Punkt im Abteufgerüst
verlagerten Seilscheiben befindet sich die Berge –
Kippbühne, auf der die vollen Abteufkübel gestürzt
werden. Vor dem Kippvorgang werden Schachtklappe und
Kippbühnenklappe zum Schutz vor herabfallenden Steinen
geschlossen. Über eine Schrägrutsche, deren Austrag
sich außerhalb der Holzverkleidung, hier auf der linken
Seite (nicht sichtbar), befindet, stürzt das von der
Schachtsohle nach über Tage geförderte Haufwerk in
Lastwagen oder Feldbahnloren.
Für
die Führung der Abteufkübel im Schacht sind Führungsseile
eingebracht, die zwischen einem Spannlager, das dem
Abteuffortschritt entsprechend jeweils verlegt werden
kann, und den Spannseilwinden, die in Flurniveau des
Schachtmundes montiert sind, befestigt werden. Ein stählerner
Schlitten, der über dem schwenkbaren Bügel des Abteufkübels
angebracht ist, gleitet in Ösen geführt an den
Spannseilen entlang und hält somit den Kübel exakt in
lotrechter Fahrrichtung.
Links
vorne am Abteufturm ist ein großes Tor, ähnlich einem
Scheunentor, sichtbar, durch das gleisgebunden oder per
LKW Material zum Schachtanschlag transportiert werden
kann. Am vorderen Gebäude ist dieses geöffnet und am
hinteren geschlossen. Eine weitere Öffnung im
Schachtgebäude am Fuße des Schachtturmes, hier
ebenfalls nicht sichtbar, dient dem die Außenlauft
(Frischluft) ansaugenden Elektrolüfter mit
anschließender Luttentour zur Bewetterung des
Schachtes. Die Abwetter, verbrauchte Luft und
Sprengschwaden aus dem Schacht, entweichen am höchsten
Punkt des Abteufturmes durch die rechteckigen Öffnungen
unter dem Giebel des Turmes.
Natürlich
konnten die beschriebenen Einrichtung erst gebaut
werden, nachdem festgelegt war, an welcher Stelle die
Schächte geteuft werden sollten. Auf Vorschlag des
Vorstandes und des Aufsichtsrates des Unternehmens
entschieden die Anteilseigner des Eschweiler
Bergwerks-Vereins 1937, den Bau eines neuen
Steinkohlenbergwerks östlich der Sandgewand-Störung zu
vollziehen. Erst danach konnten entsprechende Maßnahmen
zur Festlegung der Schachtansatzpunkte ergriffen werden.
Diese bestanden im Wesentlichen in der Durchführung von
seismischen Messungen und Kerntiefbohrungen zur
Untersuchung des Deckgebirges und des Karbons. Außerdem
waren die topografische Lage, und eine optimale
Anbindung der Anlage an die vorhandene Infrastruktur in
die Planung einzubeziehen.
Selbstverständlich
war es erforderlich, die geologischen und tektonischen
Verhältnisse der Lagerstätte für den Ansatzpunkt der
Schächte zu berücksichtigen. Im Hinblick auf den
Schachtsicherheitspfeiler, in dem kein Abbau betrieben
werden durfte, sollten die Schächte nicht gerade in
einem der günstigsten Lagerstättenbereiche liegen. Im
Niveau der 710- m Sohle beträgt der Radius des
Schachtschutzpfleilers immerhin etwa 1200 Meter. Eine
1,5 Km lange Zufahrtstraße wurde zum zukünftigen
Schachtgelände gebaut, die ersten Tiefbrunnen zur
Wasserversorgung erbohrt und ein Kesselhaus errichtet.
Im Winter 1937/38 spannte man die erste Freileitung für
die Stromversorgung und installierte einen
provisorischen Transformator. Im Spätsommer 1937
entstand eine Eisenbahnverbindung zwischen
"Maria-Hauptschacht" und "Emil
Mayrisch".
Nach
Auswertung des vorliegenden Planungsmaterials und Erwerb
von Grund und Boden war es die Aufgabe des
Markscheiders, in seinem Tagesrisswerk die
entsprechenden Koordinaten für die Schachtmittelpunkte
festzulegen. An einem Frühlingsmorgen des Jahres 1938
wurde eigentlich dann der erste Spatenstich durch den
Vermessungssteiger Simon Kraut vorgenommen, indem
er den feuchten Boden an den Stellen mit einem Spaten
aushob und auf den umliegenden Acker verstreute, wo er
in 100 Meter Abstand die Pflöcke einschlug, die den
jeweiligen Mittelpunkt der abzuteufenden Schächte
markierten.
Der
100. Jahrestag der Gründung des Eschweiler
Bergwerks-Vereins als älteste deutsche
Aktiengesellschaft im Bergbau wurde schließlich zum
Anlass genommen, den "symbolischen
Spatenstich" am 21. Mai 1938 in einer
feierlichen Zeremonie vorzunehmen.
Bevor
aber Mitte 1939 mit den eigentlichen Abteufarbeiten
begonnen werden konnte, musste das etwa 440 Meter mächtige
Deckgebirge tiefgefroren werden. Dies geschah mit dem
Gefrierverfahren. Der deutsche Berg- und Hütteningenieur
sowie Markscheider, Friedrich Hermann Poetsch (1842
-1902), erhielt 1883 das Patent auf ein
"Verfahren, Schächte im wasserreichen und
schwimmenden Gebirge sicher, lotrecht und billig
abzuteufen". Daraus entwickelte später sein
ehemaliger Mitarbeiter, Louis Gebhardt, zusammen mit dem
Ingenieur August Koenig das Tiefkälteverfahren, wobei
der Kälteträger auf minus 30 ° C abgekühlt
wurde. Die Firmen Haniel & Lueg, später
Deilmann-Haniel, entwickelten und vervollkommneten die
Idee von Poetsch zu einem betriebssicheren und
betriebsreifen, oft eingesetzten Abteufverfahren mit Kälteträgern
bis zu -50°C. Hierbei wird nach dem Verfahren von
Professor Carl von Linde (1842-1934) mit einer
Ammoniak-Kompressions-Kältemaschine der Kälteträger
durch ein Rohrsystem gepumpt, das in Bohrungen ein
gelassen wurde, welche exakt um den geplanten
Schachtzylinder in vorausberechneten Abständen
angeortnet waren. Der Kälteträger gibt die tiefe
Temperatur an das Gebirge ab. Somit wird ein Frostkörper
um den Schachtzylinder gebildet.
Zunächst
wurde der Schacht II in Angriff genommen. Den Auftrag für
die Abteufarbeiten hatte die Arbeitsgemeinschaft Haniel
& Lueg und Schachtbau Thyssen GmbH. Nach
Fertigstellung des Vorschachtes wurde die Schachtsäule
im Kreisquerschnitt angesetzt. Der Ausbau im
Deckgebirgsbereich besteht auf den ersten 170 Metern aus
einem einfachen und von dort bis zum Steinkohlengebirge,
erstmalig in seiner Anwendung, aus einem Doppelsäulen-Ausbau,
gefertigt aus gusseisernen Tübbing-Schachtringen
mit einer Betonzwischenschicht. Eine ausführliche
Berichterstattung zu den Abteufarbeiten im
Gefrierverfahren auf "Emil Mayrisch" durch
Herrn Bergassessor Helmuth Burckhardt ist im
Bergbauarchiv, Bochum, Nr.16/548 des Vereins für
bergbauliche Interessen, Essen, vorhanden.
Die
Abteufarbeiten waren mit manchen Schwierigkeiten
verbunden und mussten häufig unterbrochen werden.
Infolge des Kriegsausbruches im September 1939 konnten für
einen Zeitraum von etwa 10 Monaten keine Arbeiten
im Schacht II ausgeführt werden. Erst im Frühjahr 1941
begannen die Abteufarbeiten für den Schacht I. Zu der
Zeit hatte der Schacht II eine Teufe von rd. 250 Meter
erreicht, als im Abteufturm ein Feuer ausbrach. Die
ganze Teufeinrichtung brannte ab. Teile der Ausrüstung
und die Seile fielen in den Schacht. Obwohl auf der
Schachtsohle mit einem Außendurchmesser von etwa
7,5 Meter 15 Schachthauer in höchster Lebensgefahr
schwebten, konnten alle zunächst von der Tagesoberfläche
abgeschnittenen Bergleute einzeln an einem Haspelseil
ans Tageslicht gehoben werden. Es war niemand schwer
oder gar lebensgefährlich verletzt worden.
Beim
Durchteufen des Übergangs vom Deckgebirge zum
Karbon wurden die Arbeiten von starken Wasserzuflüssen
behindert. Bis zu zwei Kubikmeter Wasser in der Minute
stürzten auf die Abteufsohle. Mit dem sogenannten
Zementierverfahren wurden 22000 Säcke Zement in das
Gebirge gepresst, um die Wasserzuflüsse in Grenzen zu
halten. Dennoch mussten die Schachthauer über ihrer
Arbeitskleidung zum Schutz vor Nässe das sogenannte
"Ölzeug" tragen, was nicht besonders
angenehm war.
Im
September 1944, als die Kriegsereignisse hier das
Land überrollten, hatte Schacht I eine Teufe von 565
Metren und Schacht II von 662 Metern. Nach Zerstörung
der Übertageanlagen durch Artilleriebeschuss
soffen die Schächte ab. Erst am 12. Februar 1947, als
von den Besatzungsmächten die Betriebserlaubnis erteilt
worden war, konnte mit Aufräumungs- und
Instandsetzungsarbeiten begonnen werden. Danach wurden
die Schächte gesümpft. Über dem Schacht II wurde eine
neues Abteufgerüst aufgebaut. Es war ein stählernes
Doppelstreben-Abteufgerüst.
Erst
im März 1949 konnte im Schacht I die 610-m-Sohle
angesetzt werden. Bereits Ende des Jahres erreichte
Schacht I eine Teufe von 738 Metern und Schacht II von
721 Metern. Die 710-m-Sohle wurde angesetzt. 1950 kamen
in Schacht I über eine provisorische Förderanlage täglich
1700 Tonnen Kohle zutage. Schacht II erreichte schließlich
1952 eine Teufe von 884 Metern . Die 860-m-Sohle
wurde angesetzt.
Nach
endgültigem Ausbau der Förderanlagen und dem
1984 erfolgten Zusammenschluss mit der ehemaligen Grube
Anna in Alsdorf erreichte die Förderung 10.000
Tonnen Kohle täglich bei einer Belegschaft von
5.800 Mann.
Obwohl
Emil Mayrisch zur modernsten Schachtanlage des Aachener
Reviers ausgebaut wurde, dämpften unerwartete geologische
Schwierigkeiten erheblich die am Anfang gehegte Hoffnung
der Grubenbesitzer, hier mindestens 160 Jahre lang Kohle
fördern zu können. Nach und nach mussten die
Berechnungen der wirtschaftlich gewinnbaren Kohlenreserven
nach unten korrigiert werden. Schließlich wurde
1992 auf Emil Mayrisch die letzte Kohle gehoben.
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