Grube Anna, Alsdorf

 

Die Grube Anna in Alsdorf war über Jahre hinweg das Flaggschiff des Eschweiler-Bergwerks-Vereins.

Die aufblühende industrielle Revolution entwickelte in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine beträchtliche Nachfrage an Kohle. Der neue „Goldrausch“ erfasste auch die Finanzwelt. Namhafte Bankiers und Industrielle aus Köln und Aachen ließen nach der Fortsetzung der im Wurmtal zutage tretenden Kohlenflöze suchen.

In der Nähe des kleinen Dorfes Alsdorf erreichte man im Jahre 1847 mit Suchbohrungen das Steinkohlengebirge mit den begehrten Kokskohlenflözen – unter einer ca. 85 Meter mächtigen Sand-, Kies- und Tonüberdeckung. Hier wurde von dem Aachener Friedensrichter Friedrich Bölling, dem Dürener Tuchfabrikanten Leopold Schoeller und dem Markscheider Bergamtsassessor Eduard Honigmann die Grube Anna errichtet. Die Schachtanlage Anna lag anfangs bei Alsdorf, im Laufe der Jahre siedelten sich aber in deren Umfeld Wohngebiete, Geschäfte und Gaststätten an, sodass diese bald im Zentrum Alsdorfs lag.

Bei dem Abteufen des Hermann- und Josefschachts wurde Pionierarbeit geleistet, da erstmalig das Sackbohrverfahren zur Durchörterung von wasserführenden Schichten angewendet wurde (sog. Honigmann-Verfahren) und der Einsatz von Tübbings erstmals in Deutschland erfolgte. Im Jahre 1854 konnte die Förderung aufgenommen werden.

Bereits im Jahre 1863 wurde Anna von dem in das Wurmrevier expandierenden Eschweiler-Bergwerks-Verein gekauft. Ideale Bedingungen führten dazu, dass schon 1864 die Fördermenge von Anna der Hälfte der im gesamten Inderevier bei Eschweiler gewonnenen Kohle entsprach. Da die Hermann- und Josefschächte die stetig steigenden Fördermengen nicht mehr bewältigen konnten, wurde 1869 der Franzschacht abgeteuft. Dieser blieb bis 1983 Hauptförderschacht, mit Ausnahme des 30 Jahre dauernden Zwischenspiels, das der 1923 zunächst bis zur 360-Meter-Sohle, 1935 bis zur 460-Meter-Sohle und 1937 bis zur 610-Meter-Sohle abgeteufte Hauptschacht gab. Zwischen 1965 und 1969 erfolgte das Abteufen bis zur 860-Meter-Sohle.

Grube Anna I im Jahre 1900

 

Auf Anna entstand 1862 eine Kokerei, die bereits im Jahre 1913 mit 342 Koksöfen eine der größten Anlagen dieser Art in Deutschland war und die sich im Laufe der Zeit zu einer der größten Kokereien Westeuropas entwickelte.

Damit deutete sich die zukünftige Stellung der Grube Anna als „Mutter des Reviers“ an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grube Anna I, Förderturm über dem Franzschacht (links) und Fördergerüst des Hauptschachtes, 1980

 

Langfristige Kokslieferverträge mit der Luxemburger Stahlindustrie (ARBED) bedingten den weiteren Ausbau der Grube Anna. Zwischen 1904 und 1911wurde auf der in unmittelbarer Nähe gelegenen Schachtanlage Anna II neben dem Wilhelmschacht der Eduardschacht abgeteuft und damit die Voraussetzung zum Aufbau der Doppelschachtanlage Anna I/Anna II geschaffen. Mit dem von 1911 bis 1914 abgeteuften Wetterschacht Anna III im heutigen Alsdorfer Ortsteil Neuweiler konnte die Wetterführung der erweiterten Schachtanlage erheblich verbessert werden.

 

Grube Anna II, Eduardschacht

 

Der Aufschwung wurde durch eine der größten deutschen Grubenkatastrophen unterbrochen: Am 21. Oktober 1930 starben durch eine Schlagwetterexplosion im Eduardschacht auf Anna II über 270 Bergleute.

Nachdem der Franzschacht 1953 auf sechs Meter Durchmesser erweitert und mit dem Beton-Förderturm ausgerüstet worden war, hob er auch die Förderung der benachbarten Grube Anna II. Das „Verbundbergwerk Anna“ förderte in guten Zeiten täglich 8000 Tonnen Kohle von der 610- bzw. 860-Meter-Sohle. Anna wurde in den fünfziger Jahren zur drittgrößten Zeche der Bundesrepublik. Die Belegschaft der Anlage zählte 7442 Mann.

Nach dem großen Zechensterben der sechziger und siebziger Jahre waren im Aachener Revier einzig die Gruben Anna in Alsdorf und Emil-Mayrisch in Aldenhoven-Siersdorf übrig geblieben, die aus wirtschaftlichen Gründen 1983 zusammengelegt wurden. In 860 Meter Tiefe wurde hierzu eine sechs Kilometer lange Verbindungsstrecke aufgefahren. Nach ihrer Fertigstellung stellte Anna die Förderung ein, die Kohlen aus dem Grubenfeld Anna wurden unter Tage nach Emil-Mayrisch transportiert, dort gefördert, gewaschen und verladen. Die Schächte auf Anna dienten ab diesem Zeitpunkt lediglich zur Seilfahrt für die im Anna-Feld arbeitende Belegschaft.

Mit der Schließung von Emil-Mayrisch am 18. Dezember 1992 endete auch in Alsdorf der Steinkohlenbergbau, der in 150 Jahren die Stadt aufblühen ließ und prägte. Denn Anna war mehr als eine Zeche, Anna war das Herz der ganzen Region. Dazu gehörten Kokerei, Kraftwerk, Bahnhof, Werkstätten, Berufsschule und das ehemalige Kasino.
Nach Abriss fast aller übertägigen Anlagen und Gebäude konnten im Bereich der ehemaligen Grube Anna I das denkmalgeschützte Fördergerüst und das Fördermaschinenhaus des Hauptschachtes, die Turbinenzentrale und die Unterstation erhalte werden. Hier erstreckt sich heute der Anna-Park. Auch sollen neben der schon teilweise neu errichteten Wohnbebauung in begrenztem Umfang kleinere Gewerbebetriebe angesiedelt werden.

 


Grube Anna I, Fördergerüst des Hauptschachtes
 

Auf dem Gelände der Grube Anna II sind neben dem Verwaltungsgebäude aus dem Jahre 1930 das Belegschafts- und das Kauengebäude, das Fördermaschinenhaus des Eduardschachtes von 1907 und das alte Schmiedegebäude stehen geblieben.
Kaue, Fördermaschinenhaus und Schmiede beherbergen seit einigen Jahren das sich im Aufbau befindende "Bergbaumuseum Grube Anna II".

 

Grube Anna II im Jahre 2003 mit dem Anna-Park und dem Bergbaumuseum

 

Das große Grubenunglück von 1930 in Alsdorf
Das Ehrenmal auf dem Nordfriedhof erinnert an den schwärzesten Tag in der Geschichte Alsdorfs und des Aachener Reviers. Am 21.Oktober 1930 ereignete sich auf Anna II die schwerste Bergwerkskatastrophe, die den westdeutschen Bergbau bis dahin getroffen hatte. 271 Bergleute fanden dabei den Tod.

 

Ehrenmal auf dem Nordfriedhof

 

Morgens um 7 Uhr 29, eine halbe Stunde nach dem Ende der Seilfahrt der Frühschicht, zerriss eine gewaltige Explosion die Stille über der Stadt Alsdorf. Aus dem Eduardschacht schoss eine Feuersäule, das 36 Meter hohe stählerne Fördergerüst stürzte ein, die Schachthalle und die umliegenden Werksgebäude wurden verwüstet. Selbst nahegelegene Wohngebäude im Ortsteil Wilhelmschacht wiesen zum Teil erhebliche Schäden auf. Auch unter Tage gab es schwere Zerstörungen. Auf den Sohlen erfasste sie nur die Hauptwetterwege, während die Abbaubetriebe selbst verschont blieben. Die stärksten Wirkungen waren auf der 360-Meter-Sohle durch Brüche bis zu 300 Meter Länge gekennzeichnet. Brandzeichen fanden sich auf allen Sohlen, aber am stärksten auf der 360-Meter-Sohle.

So gewaltig die mechanischen Wirkungen der Explosion auch waren, die eigentliche große Gefahr für das Leben der Bergleute ging von den Brand- und Rauchschwaden aus, die sich unter Tage über das gesamte Grubengebäude verbreiteten und sogar Betriebsteile der benachbarten Grube Anna I erreichten. Am hartnäckigsten hielten sich die Schwaden unterhalb der 245-Meter-Sohle, weil die ausgedehnten Brüche auf der 360-Meter-Sohle den Abzug der Gase hemmten. Der Betriebsdirektor Albrecht Westermann veranlasste kurz nach der Explosion die Ausfahrt der gesamten Belegschaft beider Schachtanlagen.

 

Umgestürztes Fördergerüst des Eduardschachtes

 

Nach 10 Minuten trafen die Rettungswagen ein. Damit liefen schnelle und umfangreiche Rettungs- und Bergungsmaßnahmen an, die für den Untertagebereich von den Gruben Anna I und Adolf in Merkstein ausgingen, da man vom zerstörten Eduardschacht aus nicht in die Grube gelangen konnte.

Die Zahl der Helfer bei den Rettungsarbeiten war groß. Aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus dem Ausland kam Hilfe für die Stadt Alsdorf und die von der Katastrophe betroffenen Nachbargemeinden.

Am 25.10.1930 wurden die Opfer zu Grabe getragen. Fast 150.000 Menschen erwiesen in Alsdorf den toten Bergleuten die letzte Ehre. Für das ganze Land wurde für die Opfer von Alsdorf Halbmast-Beflaggung angeordnet und die Berliner Börse unterbrach am Tag der Trauerfeier für 5 Minuten jeden Geschäftsverkehr.

Zur Zeit des Unglücks waren auf der Schachtanlage Anna II 2400 Mitarbeiter beschäftigt, von denen 650 zur Frühschicht angefahren waren.

Ursache für das Unglück war vermutlich die Entzündung von Grubengas, aber bis heute sind die Ursachen des Unglücks nicht restlos geklärt.

 

Abrissdaten:
Anna III
Jan./Feb. 1994 ab 4.KW
Eduardschacht: Schachthalle
Jan./Feb. 1994
Fördergerüst
24.02.1994
Landverkauf
21.06.1994
Kamine
03.08.1994
Bandbrücke
28.08.1994
Kohletürme
17.08.1994
Misch- und Mahlanlage
08.11.1994
Gasometer
10.11.1994
Hammerkopfturm
24.11.1994
Vorkühler
03.01.1995
Zellenkühler
08.03. – 29.03.1995
Saugerhaus
22.03.1995
Anna I – Verwaltungsgebäude
April/Mai 1995
Thyssen – Gas
April/August 1995
Kühlturm Bahnhofstrasse
28.08.1995
Kraftwerk
15.08.1995
Benzolfabrik
30.08.1995
Ammoniakfabrik
19.09.1995
 
Betriebsdauer Anna:
1847 – 1983
Förderung aufgenommen:
1854
Förderung eingestellt:
1983