Das Vereinshaus

Das Haus Herzogenrather Straße 100

Die Baugeschichte des Hauses Herzogenrather Straße 100 – der ehemaligen Kantine und Hausmeisterwohnung des Ledigenheims der Grube Anna – lässt sich gut anhand historischer Pläne und Fotografien nachvollziehen. Auch wenn die Ergänzung durch archivalische Quellen fehlt sind die Bauphasen eindeutig nachvollziehbar. Deutlich erkennbar ist, dass das Gebäude einem stetigen Wandel unterworfen war, bis es sein heutiges Aussehen erlangte.

Die erste Aufnahme, die bislang vom Kantinengebäude bekannt ist, ist eine Postkarte aus dem Jahr 1910. Sie zeigt die Vorderseite des Gebäudes mit einem zentralen Eingang, der mit einem Ziergiebel und einem vorspringenden Erker versehenen ist und von jeweils zwei großen Fenstern flankiert wird. Auf dem Bild sieht man auch die Freitreppe, die in das etwas höher gelegene Erdgeschoss führt. Diese endet deutlich sichtbar am Bürgersteig. Hier befand sich der Speisesaal für die Bergleute. Auf dem Bild erkennt man auf der linken Seite auch den nach hinten angebauten Flachbau, in dem sich die Küche befand. Die Fotografie belegt auch, dass das Gebäude bis fast an die heutige Straße reichte. Das Haus mit der Hausmeisterwohnung ist nicht zu sehen, es ist allerdings davon auszugehen, dass beide zeitgleich errichtet wurden.


Eine Aufnahme des Grubenunglücks von 1930 zeigt das Ledigenheim mit der dazugehörigen Kantine. Deutlich zu erkennen ist die Erweiterung des Gebäudes zum Ledigenheim hin. Hierbei wurde die vorhandene Eingangssituation des Urspungsbaus kopiert und durch zwei weitere Fensterachsen in gleicher Art und Weise ergänzt. Der Grund der Erweiterung wird in den gestiegenen Belegschaftszahlen zu suchen sein und sprechen auch für eine hohe Belegung des Ledigenheims.

Eine spätere Fotografie zeigt einen Verbindungsbau zwischen dem Kantinengebäude und dem Ledigenheim. Dieser war eingeschossig ausgeführt und mit einem Flachdach versehen. Damit bestand ein direkter Zugang. Das Haus selber zeigt noch deutliche Spuren des Grubenunglücks; diese sind besonders an der Dacheindeckung sichtbar. Eine weitere Neuerung bildet die Lindenbaumreihe.


Die einzig bislang bekannte Farbaufnahme, vermutlich aus den 60er Jahren des letzte Jahrhunderts, die die Fassade des Kantinengebäudes zeigt, dokumentiert die erste Umnutzung des Gebäudes. Die Bäume vor dem Gebäude sind gefällt und die Vorgartensituation mit der Einfassung ist entfernt. Auch am Gebäude selber sind die Zeichen der Umnutzung erkennbar. Sämtliche Fenster und Eingänge zur Straßenseite sind zugemauert und die beiden Freitreppen rückgebaut. Die ins Gebäude führenden Rohrleitungen verweisen darauf, dass in den ehemaligen Kantinenräumen eine betriebliche Nutzung stattgefunden haben muss. Hier waren nun Werkstätten untergebracht. die Fotografie lässt nicht erkennen, von wo aus das Gebäude in seiner jetzigen Nutzung erschlossen wurde. Denkbar ist ein neu geschaffenes Tor an der der Herzogenrather Straße zugewandten Seite. Aus dieser Zeit stammen auch die eisernen Stempel zur Verstärkung der Kellerdecke im noch heute erhaltenen Teil des Speisesaals. Das Foto zeigt interessanterweise auch drei große Decklüfter auf dem Dach des noch erhaltenen Querbaus, deren Position auch heut noch im Gewölbe im Innern des Saales sichtbar sind. Die Fliesenreste an den Wänden und die großen Lüftungsöffnungen im Gewölbe erlauben es, diesen Raum die Nutzung als Küche zuzuordnen.


Noch nicht gänzlich erforscht sind die Gründe die schließlich zum Abriss des vorderen Gebäudeteils des Kantinengebäudes führten. Sicher ist jedoch, dass in der zweiten Hälfte der 60er Jahre die Vorderfront abgerissen wurde und das Gebäude sein heutiges Aussehen erhielt. Als einziger Teil der ehemaligen Kantine blieb lediglich der heute noch erhaltene Querbau erhalten, der jedoch noch die originalen Korbbögenfenster auf zwei Seiten besitzt. Vom Ursprungsbau scheint auch das Gipstonnengewölbe zu sein und vermittelt so einen Eindruck vom Aussehen der abgerissenen Gebäudeteile. Die Fliesenreste an den Wänden und die großen Lüftungsöffnungen im Gewölbe erlauben es, diesen Raum die Nutzung als Küche zuzuordnen. Die Front zur Straße hin wurde komplett vermauert, als Fensteröffnungen dienten jetzt einfache, rechteckige Fenster; die ursprüngliche Backsteinfassade wurde durch Eternitplatten verdeckt.
Während das Kantinengebäude im Laufe der Jahre immer wieder erweitert, umgebaut und schließlich teilweise abgerissen wurde, so deutet nichts darauf hin, dass die Hausmeisterwohnung in den letzten einhundert Jahren größere Veränderungen erfahren hat. Im Rahmen der Renovierung und Umnutzung als Sitz des Vereins Bergbaumuseum Grube Anna und des Bergbauinfomationszentrums Anna konnten die Räumlichkeiten weitgehend in ihrem Urzustand erhalten werden.
Es gibt noch viel zur Geschichte des Gebäudekomplexes zu erforschen. Viele Fragen sind noch unbeantwortet. Die Auswertung der Pläne und Fotografien erbrachte schon wichtige Erkenntnisse über die Baugeschichte des Hauses. Nun stehen weitere Untersuchungen der Akten und Archivalien, Befragung von Zeitzeugen und die Sammlung weitere Fotografien aus dem Umfeld von Ledigenheim und Kantinengebäude an, die helfen können unser Geschichtsbild eines wichtigen Zeugen der Alsdorfer Bergbaugeschichte zu komplettieren.