Klimaschutz
und Energieerzeugung im ehemaligen Aachener
Steinkohlerevier
Seit
Sommer 2002 leitet man das aus dem Eduardschacht
strömende Grubengas zu Gasmotoren,
die wiederum Generatoren antreiben.
Neue und andere Formen der Energiegewinnung
können auf dem Museumsgelände
neben den Zeugnissen des Steinkohlenbergbaus
besichtigt werden.
Über
150 Jahre prägte der industrielle Steinkohlebergbau
das Gesicht der Aachener Region. Grubengas
war dabei eine bekannte und gefürchtete
Begleiterscheinung der Steinkohlenförderung.
So ereignete sich im Jahre 1930 auf Anna
II eine Schlagwetterexplosion, die 271 Bergleuten
das Leben kostete.
Mit der Schließung der letzten Schachtanlage
in den 1990 Jahren verabschiedete sich der
Bergbau aus dem Aachener Revier. Die Wasserhaltung
wurde eingestellt und die Schächte
wurden verfüllt. Zur Abfuhr des weiterhin
unter Tage freiwerdenden Grubengases wurden
einige Schächte mit Rohrleitungen versehen,
die von unter Tage durch die verfüllten
Schächte zur Erdoberfläche führen.
Aus Explosionsgründen sind diese Rohrleitungen
mit sogenannten Protego-Hauben versehen,
durch die das Gas, das aus den Hauptkomponenten
Methan, Kohlendioxid und Stickstoff besteht,
anschließend in die Atmosphäre
abgegeben wird. Aus der Protego-Haube können
je nach Witterung über 1.000 m³/h
Gas auftreten.
Neben
der Bildung explosiver Gemische aus Luft
und Grubengas besitzt Grubengas eine klimaschädigende
Wirkung. Das im Gas enthaltene Methan entfaltet
in der Erdatmosphäre ein 23-fach höheres
Treibhauspotential als eine vergleichbare
Menge Kohlendioxid.
Seit einigen Jahren hat das Grubengas in
der Öffentlichkeit erheblich an Bedeutung
gewonnen. Neben der wachsenden Sensibilisierung
für Klima- und Umweltprobleme, sowie
den Beschlüssen diverser Klimakonferenzen
sind vor allem die vermehrt in den ehemaligen
Kohlerevieren auftretenden diffusen Grubengasaustritte
ein Grund hierfür.
Zur
Lösung der durch Grubengas aus Bereichen
des stillgelegten Bergbaus verursachten
Probleme entwickeln die Pro2 Anlagentechnik
GmbH und die A-TEC Anlagentechnik GmbH Projekte
zur Grubengasnutzung, bei denen das Grubengas
abgesaugt und zur Erzeugung von Strom und
Wärme eingesetzt wird.
Bereits im März 2002 wurde eine Absauganlage
an die Protegohaube am Eduardschacht angeschlossen
und mit einer 8-wöchigen Potenzialabschätzung
begonnen. Dabei wurde Gas aus dem stillgelegten
Grubengebäude abgesaugt. Die Auswertung
der gewonnenen Daten über die Gaszusammensetzung
und die abgesaugte Menge führten zur
Entscheidung, am Standort ANNA II ein Grubengas-Blockheizkraftwerk
zu errichten.
Das
aus einer Teufe von mehr als 400 m gewonnene
Grubengas besteht zu 40 bis 50%vol aus Methan
und zu 8 bis 15%vol aus Kohlendioxid. Der
Rest ist Stickstoff; Sauerstoff ist nicht
vorhanden, Anteile von eventuellen für
eine motorische Gasnutzung problematischen
Spurenstoffen wie Fluor-, Chlor- und Schwefelverbindungen
liegen unterhalb der für den Motorbetrieb
zugelassenen Grenzwerte.
Entsprechend
der prognostizierten Gasmenge wurde eine
Anlage, bestehend aus einer containerisierten
Gasförderstation und zwei containerisierten
Gasmotoren-Modulen, installiert. Die erzeugte
elektrische Energie - die beiden Module
verfügen zusammen über eine elektrische
Gesamtleistung von 2,7 MW - wird in einer
Trafostation, bestehend aus zwei Trafocontainern,
von 400 V auf 10 kV transformiert und in
das Netz der Energie- und Wasserversorgung
Stolberg (EWV) eingespeist. Die Anlagenbauweise
erlaubte die Aufstellung der Gesamtanlage
auf weniger als 600 m².
Die
Anlage verwertet 1.500 m³ Grubengas
pro Stunde. Beim Volllastbetrieb der Gesamtanlage
ergeben sich jährlich CO2-Einsparungen
von rund 100.000 Tonnen.
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