Energievielfalt
aus dem Boden
Die
Erde, auf der wir leben, besonders hier
im Aachener Gebiet, aber auch im benachbarten
Holland und Belgien, in starkem Maße
auch im Ruhrgebiet, birgt mannigfaltige
Energieformen bzw. Möglichkeiten, die
vorhandene latente Energie für den
menschlichen Gebrauch nutzbar zu machen.
Hier
bei uns war es in der Vergangenheit die
Kohle, die seit fast 1000 Jahren die Basis
der Energieversorgung und damit die Grundlage
für die wirtschaftliche und industrielle
Entwicklung war. Diese Ära ist jedoch
mit der Schließung der letzten Steinkohlenzeche
im Aachener Revier zu Ende gegangen.
In
der Gegenwart erfolgt eine Energienutzung,
die eine Folge des früheren untertägigen
Bergbaus ist und die darin besteht, dass
für eine Reihe von Jahren noch das
ausströmende Grubengas zur Verfügung
steht.
In
der Zukunft wird es wichtig sein alle Möglichkeiten
auszunutzen, die darüber hinaus als
sogenannte erneuerbare Energien zur Verfügung
stehen und sinnvoll genutzt werden müssen.
Das soll jetzt näher erläutert
werden.
Nach
dem Ende der Kohleförderung ist es
sehr wichtig, eine nachhaltige und Umwelt
freundliche Energiezukunft sicher zu stellen.
In diesem Zusammenhang spielen die erneuerbaren
Energien eine wesentliche Rolle.
In
Heft Nr. 17 dieser Vereinszeitschrift wurde
im einzelnen darüber berichtet, in
welcher Weise das zur Zeit noch ausströmende
Grubengas genutzt wird. Es wurde im Bereich
der früheren Grube Anna II eine Anlage
installiert, die bei einem Gasbedarf von
1.500 m³/h eine elektrische Gesamtleistung
von 2,7 MW erbringt. Die von Gasmotoren
erzeugte elektrische Energie wird in einer
Trafostation von 400 V auf 10 KV transformiert
und in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Mit dieser Art der Energieerzeugung und
Gasverwertung werden wesentliche Mengen
des Umwelt schädlichen Kohlendioxids,
das bei anderen Energieerzeugungsverfahren
anfällt, eingespart.
Auf
dem ehemaligen Zechengelände Anna in
Alsdorf gibt es ein weiteres Beispiel für
die Nutzung von Grubengas. Dort wurde im
Februar 2003 ein Brennstoffzellen-Heizgerät
für die Kindertagesstätte eingeweiht.
Bei dem hier angewandten umweltfreundlichen
Brennstoffzellenprinzip werden Strom und
Wärme durch eine elektrochemische Reaktion
von Sauer- und Wasserstoff erzeugt. Da jedoch
der Wasserstoff nicht in ausreichender Menge
wirtschaftlich hergestellt werden kann,
greift man auf wasserstoffreiches Erdgas
zurück, sodass auch hier die im Boden
vorhandenen Möglichkeiten ausgenutzt
werden.
Einige
der zukünftigen Möglichkeiten
der Energiegewinnung werden unter dem Oberbegriff
Geothermie (Wärme aus dem Boden) zusammen
gefasst. Trotz der Beendigung der Kohlenförderung
kann der Bergbau auch in Zukunft bei der
Nutzung der Geothermie noch eine wesentliche
Rolle spielen, da er über eine lange
Tradition verfügt und in den Bereichen
Bohrtechnik, Wärmeverteilung und Kraftwerksbetreibung
reiche Erfahrungen gesammelt hat.
Wegen
der Bedeutung der Geothermie hat die Landesregierung
NRW Technologieinitiativen ergriffen und
fördert in verschiedenen Zusammenhängen
die sich abzeichnenden Entwicklungen.
Was
ist nun Geothermie ?
Geothermische
Energie ist die in Form von Wärme gespeicherte
Energie unterhalb der Erdoberfläche.
Die Mengen sind so gewaltig, dass bei Zugrundelegung
des heutigen Weltenergiebedarfs die Menschheit
für 30 Mio Jahre versorgt werden könnte,
mit anderen Worten: für unser Dasein
sind die Wärmevorräte unerschöpflich.
Welchen
Vorteil hat die Geothermie ?
Sie
steht unbegrenzt zur Verfügung, und
zwar unabhängig von Tages- und Jahreszeiten
und auch von den herrschenden Klimabedingungen.
Da sie direkt vor Ort gefunden und verwertet
wird, benötigt sie keine aufwändigen
Transportsysteme. Bei konventionellen Verbrennungsprozessen
(Kohle und Öl) werden erhebliche Kohlendioxidemissionen
verursacht, die hier entfallen.
Welche
geologischen Gegebenheiten werden für
die Geothermie ausgenutzt ?
Die
Erdkugel ist folgender Maßen aufgebaut:
·
Erdkruste bis 40 km Teufe
· Erdmantel bis 2.900 km Teufe
· Äußerer flüssiger
Erdkern bis 5.100 km
· Innerer fester Erdkern bis 6.400
km Teufe.
Mit
den heutigen technischen Möglichkeiten
sind nur die oberen Schichten der Erdkruste
nutzbar, obwohl dort nur Temperaturen zwischen
8° und 25° C herrschen. Deshalb
benötigt man zusätzlich eine Wärmepumpe,
die dafür sorgt, dass die für
eine Wärmeversorgung notwendige höheren
Temperaturen erreicht werden.
Die
drei wesentlichen Verfahren zur Wärmegewinnung
sind:
Mit Grundwasserwärmepumpen wird über
Bohrbrunnen warmes Grundwasser dem Boden
entnommen und mit einer Wärmepumpe
auf höhere Temperatur gebracht. Dieses
Wasser wird jedoch wieder in den Grund eingeleitet,
sodass zwei Arten von Bohrbrunnen errichtet
werden müssen, nämlich Förderbrunnen
und die sogenannten Schluckbrunnen für
die Wiedereinleitung.
Bei Erdwärmekollektoren werden in einer
Tiefe von 80 - 160 cm Wärmetauscherrohre
aus Kunststoff horizontal im Boden verlegt.
Hier wird über eine darin zirkulierende
Wärmeträgerflüssigkeit dem
Boden die Wärme entzogen und auch wieder
mit Hilfe einer Wärmepumpe auf das
nötige höhere Temperaturniveau
gebracht.
Die häufigste Art des Wärmeentzugs
sind Erdwärmesonden, nämlich senkrechte
Bohrungen mit eingebauten Kunststoffrohren,
in denen eine Wärmeträgerflüssigkeit
zirkuliert, dem Boden die Wärme entnimmt
und nach Übertage transportiert.
Die
geothermische Energie aus dem Oberflächen
nahen Bereich, d.h. bis max. 500 m Teufe,
ist regenerativ, Umwelt freundlich, Klima
schonend, ganzjährig verfügbar,
relativ billig, völlig ungefährlich
und wird darüber hinaus noch wirtschaftlich
gefördert. Ein Nachteil ist, dass diese
Energie nicht überall einsetzbar ist,
da die Heizsysteme der beheizten Gebäude
aufgrund der geringen Temperaturdifferenzen
auf Niedrigtemperaturniveau gefahren werden
müssen. Das verlangt bei Neubauten
einen hohen Isolierungsstandard und ist
in der Regel für Altbauten wenig sinnvoll.
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